
In Rovaniemi warten wir auf den Bus, der uns nach ca. 5 stündiger Fahrt nach Enontekiö (Hetta) bringt.
Erster Traumlagerplatz am Ounasjärvi,
der See, an dessen Ostende es nach einer Stromschnelle in den Ounasjoki geht.
Schöner sandiger Lagerplatz am Oberlauf des Ounasjoki.
Das Baumwolltarp wird sich auf der Reise noch bewähren.
Die Steine sind im Oberlauf des Ounasjoki über die ganze Flußbreite verteilt.
Eindeutige Durchfahrten sind oft schwer zu definieren.
Reparaturen sollten bei den steinigen Durchfahrten eingeplant werden.
Anfang der Stromschnelle "Raattamankoski" am frühen Morgen
Länge 1800 m / Gefälle 9,6 m / WW I-II
Am Ende der Stromschnelle "Raattamankoski".
Die Canadier wurden entladen und leer runter gefahren.
Regenbogen am Oberlauf des Ounasjoki in beschaulicher Landschaft.
Zahmwasserpartie am Oberlauf des Ounasjoki.
Stefan bei der Brückendurchfahrt in Köngäs
Länge 400 m / Gefälle 2 m / WW II
Jürgen bei der Brückendurchfahrt in Köngäs.
Abendstimmung nach Köngäs, erster Nachtfrost.
Wir staunen nicht schlecht über die Größe des Fells an der Hauswand.
Klarer Abendhimmel bei Kittilä,
erstes Etappenziel nach 7 Tagen geschafft (130 km).
In Kittilä hatten wir Anfang September den zweiter Nachtfrost.
Abendstimmung am Ounasjoki, wir suchen nach einem Lagerplatz.
Molkoköngäs, WW II-III mit "Chicken-Way" Option rechts von der Insel.
Nochmals Molkoköngäs. Es sind nur noch 81 km bis Rovaniemi.
Zur Belohnung gibt es einen Tag zum Relaxen und abends Grillwürstchen.
Der Herbst ist nun in der zweiten September-Woche in vollem Gange.
Lagerplatz nach der Ortschaft Meltaus.
Breites Zahmwasser auf den letzten 42 km nach Rovaniemi.
Nun müßen wir zum Lagern buchstäblich aufs Hochufer.
Nach 15 Tagen und 302 km endlich am 12.09.2010 in Rovaniemi am Campingplatz angekommen.
Ruska nennen die Finnen die kurze Zeit des Herbstes, der im Englischen allgemeinhin als Indian Summer bezeichnet wird. Diese Jahreszeit wollten Stefan, Rita und ich vom Candier-Treff München auf dem Ounasjoki in Lappland erleben.
Ausgerüstet mit 2 Pak-Canoes 165 und umfangreichen Equipment ging es am 27. August 2010 mit Finnair vom Flughafen München via Helsinki nach Rovaniemi. Mit dem Bus fuhren wir am nächsten Tag zur Einsatzstelle nach Enontekiö, wo wir uns kurz vor Ladenschluß noch mit dem notwendigen Proviant im örtlichen Supermarkt eindeckten. Am Abend des selben Tages ging es mit unseren zwischenzeitlich einsatzbereiten Pak-Canoes hinaus auf den Ounasjärvi. Im letzten Abendlicht erspähten wir noch einen geeigneten Lagerplatz, wo die Stille Lapplands sofort von uns Besitz ergriff.
Für die nächsten 15 Tage waren wir zu dieser Zeit die einzigen Wasserwanderer auf dem ca. 300 km langen Ounasjoki. Als Routenbeschreibung diente eine Flußbeschreibung aus dem Jahre 1982 sowie die Finnland Straßenkarten GT 12 und 14. Außerdem hatte Stefan ein GPS-Gerät dabei, so daß wir logistisch ausreichend ausgestattet waren.
Ein etwa 7 kg schweres Baumwolltarp sollte sich während der Tour noch als äußerst nützlich erweisen. Unter dem Tarp konnte man prima Feuer machen und nasse Kleidung trocknen.
Die Tour läßt sich in zwei Etappen unterteilen. Von Enontekiö (Hetta) bis Kittilä sind es ca. 130 Flusskilometer. In Kittilä kann die Tour entweder beendet oder bis Rovaniemi (weitere 172 km) fortgeführt werden. Kittilä wird regelmäßig von der Finnair angeflogen. Außerdem besteht eine gute Busverbindung sowie Einkaufsmöglichkeiten.
Im Oberlauf ist der Ounasjoki schmal und steinig, die Steine liegen in den Stromschnellen gleichmäßig verteilt, eine deutliche Fahrrinne war oft schwer zu definieren. Teilweise entluden wir die Canoes und fuhren diese ohne Gepäck über die Stromschnellen. Tückisch waren die Steine kurz unterhalb der Wasseroberfläche, die man bei dem dunklen Moorwasser nicht zu sehen vermochte und auf die unser Tandem das eine oder andere mal hängen blieb. Hier sind Faltkanadier klar im Nachteil, weil der weiche Rumpf nachgibt und man auf dem Hindernis erst recht festsitzt. Hinzu kam, daß der Ounasjoki wenig Wasser zuführen schien. Selbst das "Anlanden" bereitete Probleme, da der Fluss im Uferbereich ebenfalls mit Steinen übersäht war. Auf die vorhandenen Zahmwasserabschnitte konnte man sich allenfalls freuen, wenn einem kein Gegenwind ins Gesicht blies.
Ein Mißgeschick bescherte uns am zweiten Tag gleich einen Reparaturfall. Das Längsgestänge unseres Tandem war in der Mitte durchgebogen, eine Spante war gebrochen. Mit Kabelbinder und einem zurecht geschnittenen Holzast konnten wir das Pak-Canoe bis zum Ende der Tour aber wieder flott kriegen.
Aus meiner Sicht ist der Oberlauf des Ounasjoki eher für Solofahrer geeignet. Tandem mit entsprechender Zuladung und Tiefgang bekommen bei niedrigem Wasserstand erhebliche Probleme, weil aufgrund der Verblockung häufige Manöver und Richtungsänderungen angesagt sind. Hinzu kommen noch die unsichtbaren Felsblöcke unter Wasser. Andererseits ist gerade der Oberlauf der reizvollste Abschnitt, weil er von der Zivilisation abgeschiedener liegt, als die Strecke von Kittelä nach Rovaniemi.
Da wir im Oberlauf viel Zeit ließen (teilweise nur 13 km am Tag), gingen wir die weiteren Etappen schwungvoll an, so daß wir zwei mal am Stück auch die 30 km-Marke und darüber erreichten. Zum Ende der Tour ließen wir es dann wieder gemütlicher angehen. Teilweise fuhren wir mit unseren Candiern erst mittags los.
Trotzdem sollte man die Strecke von Kittilä nach Rovaniemi nicht unterschätzen. Obwohl der Ounasjoki mittlerweile zu einem breiten Fluss geworden ist, gibt es nach wie vor viele Steine in den Stromschnellen, so daß der Fluss weiterhin unsere ganze Aufmerksamkeit fordert. Während Stefan unser Wildwasserexperte vorneweg fährt, machen es sich Rita und ich bequem, in dem wir ihm einfach hinterher fahren.
Die Qualen des Oberlaufs waren auf der zweiten Etappe nach Rovaniemi vergessen, bescherte uns das Wetter in Lappland doch einen "Altweibersommer" mit Temperaturen jenseits der 20° C-Marke. Die klaren Nächte bescherten uns allerdings drei Mal Nachtfrost.
Ein Wort noch zu geeigneten Lagerplätzen. Es war nicht immer einfach einen geeigneten Lagerplatz für ein großes Tarp und zwei "Kleinzelte" zu finden.
In der Regel reicht der Wald bis zum Flussufer. Zwischen Kittilä und Rovaniemi gibt es eine überschaubare Anzahl von Lavus, die vornehmlich von Fischern oder Jägern genutzt werden. Diese sind in der Regel mit Grillstelle, Feuerholz, Trockentoilette und Mülleimer ausgestattet.
Der Schwierigkeitsgrad des Ounasjoki bewegt sich im Bereich WW I und WW II. Eine einzige Stromschnelle (Molkoköngäs) bewegt sich im Bereich WW II - III. Die längste Stromschnelle im Oberlauf des Ounasjoki heißt Puksukoski mit 4300 m Länge und 15,8 m Gefälle (WW I).
Für uns hat sich der Weg gelohnt, auch wenn wir uns freuen, wieder zu Hause zu sein.
Ein paar nützliche Infos noch zum Schluss:
Die Busfahrt von Rovaniemi nach Enontekiö kann man einige Taage im Voraus via Internet buchen (ca. 50 € pro Person / ab 3 Personen Gruppentarif).
Der Transport eines Faltcanadiers schlägt bei Finnair mit 60 € für die einfache Strecke zu Buche (max. 32 kg).
Paddel, Bootswagen usw. kann man als weiteres Sportgepäck aufgeben. Für bis zu 20 kg Sportgepäck berechnet die Finnair weitere 30 € je einfache Strecke. Hinzu kommen noch die Freimengen pro Person von je 20 kg.
Man sollte das Sportgepäck auf jeden Fall vorher bei der Fluggesellschaft anmelden. Teilweise bestehen saisonabhängig Unterschiede, je nachdem ob es nach Gewicht oder nach der Anzahl der Gepäckstücke für das Sportgepäck geht.
Die Tour muß im ersten Abschnitt bis Kittilä "durchgezogen" werden. Im zweiten Abschnitt verläuft die Straße teilweise parallel zum Fluß. Der Oberlauf bzw. der erste Teil des Ounasjoki ist einsamer.
Jürgen
Das folgende Bild ist aus Wikipedia entnommen -
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